Alte Herren: „DAS WUNDER VON BERNSTEINFURT“

SV Burgsteinfurt 1903/1910 e.V. vs. SV Germania Hauenhorst 1930 e.V.                                                   So lautete am Freitag, dem 27.04.2018 das Kreispokalduell der Alten Herren beider Vereine.

Die Germanen reisten mit einer Top Elf an. Die Bank allerdings war gespickt mit Spielern der Ü50, sowie Pascal Kock, der nach längerem Ausfall noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein konnte. Bei der zu erwartenden Intensität des Spiels nicht unbedingt von Vorteil, wenn als Backup nur „Uhus“ und Invaliden bereit stehen. Der mitgereiste Klaus (Bötti) Böttger musste bereits nach den ersten Metern abwinken, am vergangenen Mittwoch hatte er sich beim Spiel der Ü50 aufgerieben und sein lädiertes Knie wollte einfach noch nicht wieder mitmachen.

Schon vor Spielantritt staunten die Germanen Bauklötze: Im Gegensatz zum eigenen individuellen „Aufwärmprogramm“ – zumeist mit den Händen in der Hüfte oder den Ball hoch in die Luft schießend – machten sich die Burgsteinfurter im Kollektiv im Stile einer Profifußballmannschaft warm. Der erste große Respekt war da. Etwas Erleichterung stellte sich dann bei genauerem Hinsehen ein: mindestens zwei Akteure der Gegenpartei sahen aus, als hätten sie die letzte Zeit nicht auf dem Platz, sondern in einer „all you can eat Herberge“ in der Südsee verbracht.

Zum Spiel: Zunächst war vorsichtiges Abtasten angesagt. Keine der beiden Mannschaften konnte sich großartige Vorteile herausspielen. Der Plan der Germania war einfach, aus einer gestärkten Abwehr heraus das Spiel beginnen und auf Chancen lauern. Gestartet wurde dem zur Folge mit Libero in Person des stramm auf die 60 zugehenden Georg (Latte) Latton.

Mit zunehmender Spieldauer nahm dann der Gastgeber das Heft in die Hand. Die ganz in schwarz – in dem von ihrem Hauptsponsor Alex Fettich (ERGO Versicherungen) neu bereit gestellten Trikotsatz – gekleideten Hauenhorster begannen trotz ihrer großen Erfahrung aus unerklärlichen Gründen zu schwimmen. Folgerichtig fiel nach gut einer viertel Stunde durch einem Fernschuss das 1:0 für die Kreisstädter.

Die Gesetze der Physik ließen dem, wie immer solide spielenden Keeper Dietmar (Didi) Raue, in dieser Situation, in der das „Leder“ knapp unter die Latte plumpste, keine Chance. Die mitgereiste Hauenhorster Fanschar um Norbert (Briegel) Garmann, Stefan Rother und Gerrit (Stucki) Stuckardt ahnte bereits was kommen sollte, als der Ball gerade den Fuß des Schützen verlassen hatte. Am liebsten hätten sie ihrem Goali noch schnell eine Leiter zur Verbesserung dessen eingeschränkter vertikaler Reichweite an den Querbalken gelehnt, oder ihn auf einer Sänfte in die Höhe gehievt. Zu spät, das Ding war drin.

Zwischenzeitlich kam der SVG dann aber besser ins Spiel und erarbeitete sich zwei drei gute „Dinger“. Arbeitsbiene Martin (Knitte)  Knitelius verpasste mit einem Schuss aus halblinker Position nur knapp des Gegners Tor. Ebenso hatte Björn (Stumpi) Liekam kein Glück, als sein Abschluss aus kürzester Distanz in Form eines Rückpasses nur die Arme des gegnerischen Torhüters fand. Das 2:0 für die Gastgeber fiel plötzlich und unerwartet in ebendieser Drangphase. Nach einer Flanke legte ein SVer den Ball wie im Training per Kopf auf seinen besser postierten Mitspieler ab, der diesen ebenfalls per Kopf nur noch über die Linie zu drücken brauchte.

Was nun? Auf der Hauenhorster Ersatzbank hatte sich inzwischen etwas getan. „(Ex-) Germane“  Andre (Bischi) Bischoff war zur Hilfe geeilt. Nach beendetem Training mit der 1. Mannschaft des SV hatte er sich flugs in das schwarze Trikot mit der Nummer 6 gepellt und sollte – so der Plan –  kurz vor Ende der ersten Halbzeit für Karsten Galle aktiv in das Spielgeschehen eingreifen. Der Messias war da. Nun konnte es richtig losgehen. FLÖTEPIEPEN!! Kaum auf seiner Position angekommen war auch schon wieder alles vorbei. Eine unangenehme Muskelverletzung zwang ihn zur direkten Aufgabe. Von der Intensität her hatte sein Auftritt etwas von dem eines Flitzers, nur halt mit dem kleinen Schwarzen an. Das Trikot mit der Nummer 6 musste an diesem Tag folglich nicht gewaschen werden. Von hier aus gute Besserung. War gut gemeint Andre!

Karsten Galle hatte also keine Gelegenheit zum Verschnaufen und musste seinen, zu diesem Zeitpunkt harten Job, unverrichteter Dinge fortsetzen. Ebenfalls noch in Halbzeit eins musste der bereits mit muskulären Problemen an den Start gegangene Andreas (Andi O.) Orant runter von der grünen Bühne.

Jetzt war Holland in Not. Der Super-GAU war eingetreten. Der noch nicht wieder fitte Pascal (Kalle) Kock und der Ü50er Frank (Spritze) Westhoff mussten auf`s Feld. Sollte man nach einem Vergleich für diesen Wechsel suchen, so könnte man sich am besten vorstellen, dass gerade in einem Autorennen zwei Ferrari durch zwei Opel Corsa Steffi ausgetauscht werden, und das mit zwei Runden Rückstand.

Halbzeit. 0:2. Kader geschwächt. Kaninchen vs. Schlange. Und dann noch die Ansprache von Andi O. „Das war die schlechteste Halbzeit, die ich je von uns gesehen habe“. Was bitte soll da noch kommen?? Die Recken aus dem schönsten aller Rheiner Vororte standen mit dem A…. an der Wand wie es besser nicht geht. Zu allem Überfluss trat in der Halbzeitpause auch noch Christoph Klein-Reesink (Reese), vormals Trainer von Germania eins, nun Trainer der 1. des SV, mit einer Flasche Rolinck bewaffnet aus dem gegnerischen Lager hervor, um süffisant lächelnd sein Mitleid zu heucheln. Wie bitter! Keiner glaubte mehr an einen Sieg.

Die zweite Halbzeit begann dort, wo die erste endete. Hauenhorst unter Druck, auch weil man nach den zahlreichen Wechseln seine Positionen noch nicht richtig kannte. Es kam, was kommen musste: noch keine 5 Minuten in der zweiten Hälfte gespielt und es stand 3:0. Vorangegangen war eine klassische „nimm du ihn ich hab ihn sicher“ Situation, in der Schnapper Didi Raue seinem Mitspieler Frank Westhoff den Ball aus kürzester Entfernung gegen den Kopf ballerte. Lachender Dritter war ein SVer, der den Abpraller in aller Seelenruhe einschieben konnte.

Einhergehend mit dem vermeintlich vorentscheidenden Treffer musste mit Martin Knitelius ein weiterer Dauergarant für Einsatz, Leidenschaft und Kreativität verletzt den Dienst quittieren. Nun waren es noch 10 tapfere „Taubendörfer“, deren Ziel nur sein konnte nicht gedemütigt zu werden.

EIGENTLICH!

Als Mitglied des Trainerstabs wechselte sich Beingodik Andreas Orant kurzer Hand selber wieder ein. RESPEKT!! Libero Georg Latton gab zudem eigenmächtig und mit sofortiger Wirkung seine Position als letzter Mann auf und dirigierte seine Vorderleute gut drei bis vier Meter weiter nach vorne. Das war der Weckruf für eine niemals für möglich gehaltene Aufholjagd. Das Blatt wendete sich und die Germanen ließen es fortan richtig krachen.

Den ersten Streich eröffnete Fußballgott Andre (Tante) Reinke. Reinke lief ballführend den gegnerischen Sechzehner an, band damit zentral gleich mehrere Gegenspieler, um dann im richtigen Moment nach rechts auf den freistehenden Frank Westhoff rauszulegen. Mit dem rechten Innenrist flankte Westhoff den Ball direkt auf den zweiten Pfosten. Aus nahezu unmöglichem Winkel brachte Jacques Emmerich das Kunststück fertig, den Ball noch irgendwie über die Linie ins Tor zu befördern und krönte damit seine hundert prozentige Leistung an diesem Tag. Nur noch 1:3. Kaum zwei Minuten waren vergangen, da schnappte sich Christian (Heuvi) Heuvers den Ball in Höhe der Mittellinie. Von dort aus umkurvte er einfach alles, was sich ihm in den Weg stellte, um dann am Ende das Ding höchstpersönlich trocken in den Winkel zu pölen. 2:3. Langsam konnte man Angst in den Gesichtern der Gelb-roten erkennen.

Weiter geht’s. Langer Ball auf Reinke an die Strafraumgrenze. Reinke hat es mit zwei Mann zu tun, die ihn mit der Gewalt zweier Leopard II Kampfpanzer der Bundeswehr ansteuerten, um dann einfach wie die Panzerknacker an Dagobert Ducks Geldspeicher abzuprallen. Eiskalt verwandelt. „Was stört es die deutsche Eiche, wenn sich die Sau an ihr kratzt“, so hatte es ausgesehen. Und selbst wenn alle Stemmerter da gewesen wären, Reinke hatte so viel Bock dieses Duell zu gewinnen, wie Obelix, wenn er eine römische Legion mal wieder alleine vermöbelt. Plötzlich stand es 3:3.

Noch 10 Minuten zu spielen, alle Germanen hauten sich voll rein. Über dem Stadion kann kaum noch Sauerstoff in der Luft gewesen sein, so sind die Jungs gerannt. Insbesondere Björn Liekam, den man an guten Tagen nicht mal mit dem Fahrrad einholen kann, hatte wieder die Kreide von der rechten Spielfeldbegrenzung runter gelaufen, wie der junge Kalle Del`Haye in seinen besten Zeiten.

Es kam, was kommen musste. Das mittlerweile verdiente 4:3. Westhoff kann den Ball nach außen durchstecken, entscheidet sich aber für einen Lupfer in Richtung Elfmeterpunkt. Über seinen Gegenspieler hinweg kommt der Ball passgenau zu Christian Heuvers, der diesen wie gewohnt souverän verarbeitete und dann zum Siegtreffer einnetzte.

Auf Nachfrage waren lt. Schiri nun immer noch 10 Minuten zu spielen, obwohl seit seinem letzten „10 Minuten call“ schon wieder 5 Minuten vergangen waren?? Sei`s  drum, die Germania ließ sich nicht auf Diskussionen ein und setzte ihr Spiel unbeirrt fort. Allerdings wollte es der SV nun mit letzter Kraft auch noch mal wissen und warf alles nach vorne, was noch halbwegs laufen konnte.  Kurz vor dem Abpfiff wurde es dann tatsächlich noch so richtig brenzlig, als Georg Latton im eigenen Strafraum die Sense (sein Lieblings-Arbeitsgerät beim Fußball) auspackte. Er traf zwar den Ball, der Gegner fiel allerdings auch. Hätten Heuvers und Reinke dem unparteiischen Heimschiedsrichter nicht zwischenzeitlich mehrmals mit klaren Worten ihren Unmut über dessen oftmals fragwürdigen Entscheidungen geäußert, wäre es wohl zu einem Pfiff gekommen. So traute sich der Spielleiter in dieser Situation nicht mal ansatzweise, die Pfeife in Richtung Gesicht zu bringen.

Erwähnt werden müssen noch Ralf Wilde, der in der zweiten Halbzeit ordentlich Alarm gemacht hat, Pascal Kock, der trotz Trainingsrückstand nahezu jeden Spielaufbau der Heimmannschaft im Keim erstickte und natürlich Christian (Smiti) Smit, der wie immer eine wunderbar unaufgeregte 6 gespielt hat. Jedes Mal, wenn man ihm den Ball zuspielt, gibt einem das einfach so ein warmes Gefühl der Sicherheit. Ein weiteres großes Lob gilt natürlich Andi O., der bis zum Schluss die Zähne zusammengebissen und gefightet hat. Vermutlich hat er sich am Seitenrand noch kurz eine Ibu 600 reingeknallt, anders ist sein engagierter Auftritt nach der Einwechslung kaum zu erklären. Was für ein Vorbild!

„Man of the Match“ wurde Christian Heuvers. Warum? „Heuvi“ hat vorne und hinten seine Gegenspieler platt gelaufen und seine Leistung dann noch mit zwei Hütten veredelt. Warum er trotz seiner 33 Jahr noch so beweglich ist, wusste Mutter Lisa nach dem Spiel zu berichten: „Er ist so gelenkig, weil er auf dem Schulhof noch bis zu seinem 15. Lebensjahr mit Artem Rempel, Tina Wewer und Melanie Reinhold in der Gummitwist AG aktiv mitgemischt hat“

Klasse „Heuvi“ – Klasse Team Germania!

So macht Fußball Spaß. Das für den 25.05. geplante Final-Four Turnier kann kommen!

Das Schützenfest auch 😊😊