Klischees über Frauenfußball

Ein interessanter Bericht in der heutigen ( 03.10.2015 ) WN zum Thema Vorurteile und Frauenfussball:
Von Kristian van Bentem
Da können sie machen, was sie wollen: Klischees über Frauen-Fußball sind offenbar nicht auszumerzen. Doch was ist dran an den (Vor-)Urteilen? Wir haben den Frauen-Trainern Ralf Spanier (Fortuna Gronau) und Sven Rose (ASC Schöppingen) sieben provokanten Thesen zugespielt – und sie schießen zurück . . .
Die Vorurteile im Überblick:
► Vorurteil 1: Schminken statt Aufwärmen
Spanier: „Das Aufwärmprogramm ist inhaltlich und zeitlich identisch mit dem von Männern. Frisur Richten ist bei Fußballerinnen dabei wichtig, da sonst die Haare im Gesicht hängen und stören. Was die Nutzung von Haarspray betrifft, kommt man sich allerdings als Trainer beim betreten der Kabine oft vor wie im Testlabor vom Gard-Haarstudio. Optisch herausputzen müssen sich meine Mädels aber nicht – die sehen alle Klasse aus . . .“

Rose: „Fußballerinnen achten sicher auf ihr Aussehen – das schließt aber nicht aus, dass sie sich auch vernünftig warm machen.“

► Vorurteil 2: Frauen würden selbst gegen zwei Klassen tiefer spielende Herren-Teams nicht gewinnen . . .

Spanier: „Das kann, muss aber nicht passieren. Die Top-Teams der Frauen-Bundesliga testen oft gegen Männer der Landes- oder Bezirksliga und gewinnen diese Spiele auch. Prinzipiell ist der große Unterschied aber die biologische Grundausstattung von Mann und Frau, die gerade im Sport den Unterschied ausmacht.“

Rose: „Stimmt. Die Gründe sind aber körperlicher Natur, da Frauen nicht so athletisch und robust gebaut sind wie Männer.“

► Vorurteil 3: Frauen-Fußball interessiert niemanden – findet deshalb (fast) unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt . . .

Spanier: „Niemanden ist falsch, aber generell ist da was dran. Beim Frauenfußball fehlt leider noch die sogenannte Fankultur. Teils sind das aber auch hausgemachte Probleme. Die Anstoßzeiten der Frauen liegen für den neutralen Interessierten häufig schlecht. Entweder auf einem Sonntag Vormittag, oder es gibt Überschneidungen mit Männer-Spielen. Der Attraktivität der Frauen-Bundesliga schaden zudem die teils langen Pausen zwischen Spieltagen. Obwohl dort nur zwölf Vereine spielen, dauert die Saison genauso lange wie die der 18 Männer-Teams.“

Rose: „Stimmt leider! Meistens sind nur Familienangehörige der Frauen am Platz und versuchen sie zu unterstützen.“

► Vorurteil 4: Körperkontakt und Zweikampfführung im Frauen-Fußball sind so hart wie Tanzen zu Kuschelrock . . .

Spanier: „Absolut falsch! Ich habe in meiner fast 15-jährigen Trainertätigkeit im Frauenfußball Spielerinnen erlebt, gegen die ich nicht mal als Mann antreten möchte. Es gibt aber zu den genannten Punkten einen Unterschied im Bereich der Koordination . . . Da gehen Frauen anders vor als Männer. Und es wird auch nicht so oft reklamiert, debattiert oder geschauspielert wie bei Männern. Statistisch gesehen haben Frauenfußballspiele deshalb sogar eine höhere Netto-Spielzeit.“

Rose: „Frauen sind beim Fußball sicher vorsichtiger als Männer, gehen besonnener in die Zweikämpfe und versuchen, ihre Gegenspielerin nicht zu verletzen.“

► Vorurteil 5: Jeder Schiedsrichter freut sich darauf, ein Frauen-Fußballspiel zu pfeifen, weil die Mädels so brav sind wie Chorknaben.

Spanier: „Einem guten Schiedsrichter sollte es egal sein, ob er Frauen oder Männer pfeift. Wer als Schiedsrichter allerdings mit Vorurteilen antritt, wird das schnell merken. Bei der Beurteilung von Körperkontakt und Zweikampfführung liegen Unparteiische oft falsch und pfeifen z.B. ab, weil sie denken die Mädels hätten sich weh getan. Was den verbalen und nonverbalen Austausch der Frauen auf dem Spielfeld betrifft: Dazu möchte ich lieber nichts sagen . . .“

Rose: „Frauen-Fußball ist zwar nicht so körperbetont wie bei Männern, was es Schiedsrichtern etwas einfacher macht. Dafür meckern Frauen mehr.“

► Vorurteil 6: Fußballerinnen müssen vom Trainer immer mit Samthandschuhen angefasst werden, weil sie sonst leicht eingeschnappt sind.“

Spanier: „Mir wurde am Saisonende mal von einer Mannschaft ein T-Shirt mit der Aufschrift Zicken-Bändiger geschenkt. Darauf war ich sehr stolz. Ich spreche mit meinem Team, was das fußballerische betrifft, allerdings genauso, wie ich es mit Männern tun würde. Im zwischenmenschlichen Bereich und bei der Teamführung ist die Wortwahl aber schon eine andere. Generell gilt: Wenn Du ein guter Frauen-Trainer werden willst brauchst Du Folgendes: ein starkes Nervenkostüm, Humor, Geld, Organisationstalent, Animateur-Ausbildung, Fingerspitzengefühl, viel Zeit, zirka drei Telefonanschlüsse, Szene-Kenntnisse, Modebewusstsein und eine verständnisvolle oder keine Familie.“

Rose: „Auch bei Frauen kann Mann ruhig knallhart analysieren. Mann muss aber etwas mit der Wortwahl aufpassen, damit nicht böse rüberkommt, was gar nicht böse gemeint ist.“

► Vorurteil 7: Frauen können nicht Fußball spielen, sie verstehen ja nicht mal die Abseitsregel . . .

Spanier: „Die Regel müssen sie auch nicht verstehen, dafür gibt’s ja den Schiedsrichter . . .“

Rose: „Unsinn!“